Sanierungsbergbau

Mit der Wende im Jahre 1989 erfolgte für die Menschen der Region ein gravierender Wertewandel. Aus Absatzgründen wurde im Jahre 1991 der Braunkohlebergbau in der Goitzsche eingestellt. Was über Jahrzehnte hinweg für Tausende Beschäftigte harte Arbeit, aber auch gute Bezahlung und vor allem Lebensinhalt gewesen ist, war über Nacht bedeutungslos geworden. Waren die Bergleute der Goitzsche bisher für die Versorgung eines ganzen Landes mit Licht und Wärme mitverantwortlich, so änderte sich ihr Tätigkeitsinhalt grundlegend, indem sie ab dem 15. Mai 1991 „Sanierungsbergbau“ betrieben. Die Sanierung der vom Bergbau beanspruchten Flächen ist dennoch ein unerlässlicher und durchaus in die Zukunft gerichteter Schritt. Die LMBV mbH als Projektträger verfolgt mit der Bergbausanierung das Ziel der Wiedernutzbarmachung der Bergbauflächen und der Herstellung einer öffentlichen Sicherheit auf der Grundlage bergrechtlicher Betriebsplanverfahren. Die erforderlichen Mittel wurden auf der Grundlage des zwischen Bund und Ländern abgeschlossenen Verwaltungsabkommens zur Regelung der Finanzierung ökologischer Altlasten bereitgestellt. So entsteht nach der bergbaulichen Nutzung der Goitzsche und deren Sanierung eine Wald- und Seenlandschaft mit einer zweigeteilten Nachnutzung. Der westliche Teil ist für eine ruhige Erholungsnutzung ohne Bebauung und Verkehrswege, aber mit Wanderwegen und Lehrpfaden sowie zahlreichen Aussichtspunkten vorgesehen. Der östliche Teil soll vorwiegend touristisch genutzt werden, wobei die erforderliche Infrastruktur in den Anliegergemeinden geschaffen werden soll. Wie der Braunkohlebergbau selbst hat auch der Sanierungsbergbau beachtliche Zahlen aufzuweisen. Bis zum 31. Dezember 2000 wurden 59,4 Mio. m³ Sanierungsabraum bewegt; Böschungen mit einer Gesamtlänge von 60 km wurden saniert. 207 km Gleisanlagen, 64km Rohrleitungen 38.000 t Großgeräte und Schienenfahrzeuge wurden zurückgebaut. Eine forstwirtschaftliche Nutzfläche von 688 ha wurde begrünt.

Eine völlig neue Qualität erhält das Sanierungsgebiet der Goitzsche aber durch die Flutung der Tagebaurestlöcher und die dadurch geschaffene Seenlandschaft. Die mit landschaftlichen Höhepunkten nicht besonders reich versehene mitteldeutsche Region bekommt durch die große Anzahl von Seenflächen, welche in der Folge des Braunkohlebergbau entstanden sind, ein neues Gesicht. Insofern haben die der Landschaft beigefügten Wunden der Tagebaue durchaus zu einem Zugewinn an Attraktivität der Region beigetragen.

Der östliche Restlochkomplex der Goitzsche wird mit 286 Mio. m³ Fremdwasser aus der Mulde über die Flutungsanlage Mühlbeck seit dem 7. Mai 1999 geflutet, wobei die Zuleitungsmenge etwa 3 m³/s beträgt. Der Endwasserstand soll dann 75 m NN betragen. Der zukünftige Seelhauser See wird seit dem 28. Juli 2000 über eine Rohrleitung mit einer Wassermenge von 1m³/s aus der Mulde bis zum Erreichen der Endhöhe von 78 m NN gefüllt. Im westlichen Teil der Goitzsche erfolgt die Flutung der Tagebaurestlöcher durch Anstieg des Grundwassers. Die Gesamtwasserfläche des Goitzschegebietes wird nach Abschluß der Flutung etwa 25 km² betragen. Gemeinsam mit dem vorhandenen Muldestausee bildet die Goitzsche die größte Seenlandschaft in Sachsen-Anhalt. Zum Vergleich: Der größte See im Osten Deutschlands – die Müritz – bedeckt eine Fläche von etwa 115 km². Der Chiemsee hat eine Fläche von etwa 80 km², das Steinhuder Meer von etwa 29 km². Die Wasserfläche der Goitzsche ist damit etwa dreimal so groß wie die Fläche des Müggelsees bei Berlin oder des Werbellinsees.