Hochwasser 2002

Die Kraft einer Vision und das Engagement aller an der Entwicklung der Kulturlandschaft Goitzsche Interessierten haben in der Goitzsche das flächenmäßig größte Landschaftskunstprojekt der Welt entstehen lassen. Stolz auf das Erreichte und die Zuversicht, dass diese einmalige Landschaft von großem Nutzen für die Zukunft der Region sein würde, prägten den Geist der Beteiligten.

Dennoch - die Grenzen allen menschlichen Tuns wurden gerade im Gebiet der Goitzsche den Bürgern des Landkreises Bitterfeld überdeutlich vor Augen geführt als die Goitzsche im Sommer des Jahres 2002 Schauplatz einer Naturkatastrophe bisher ungekannten Ausmaßes wurde. Was war geschehen? Außergewöhnlich große Niederschlagsmengen im Quellgebiet der Mulde haben den Wasserspiegel der Mulde derart ansteigen lassen, dass eine Flutwelle des Flusses auf ihrem Weg durch Sachsen und Sachsen-Anhalt eine Schneise der Zerstörung hinterließ. Als das Hochwasser die Bitterfelder Region erreichte, brach im Bereich zwischen Pouch und Löbnitz ein Muldedeich auf einer Breite von 500 Metern und die Wassermassen der Mulde ergossen sich mit einer Geschwindigkeit von 500 Kubikmetern pro Sekunde in den Goitzschesee. Binnen kurzer Zeit war die sich noch in der planmäßigen Flutung befindliche Goitzsche vollgelaufen und das Wasser bedrohte die 16.000 Einwohner zählende Kreisstadt. Im Bereich des Pegelturms trat die Goitzsche über die Ufer und überschwemmte die Bundesstraße B100 sowie Teile von Bitterfeld und Friedersdorf. Man stand vor einem Scherbenhaufen.

"Nah ist
Und schwer zu fassen der Gott.
Wo aber Gefahr ist, wächst
Das Rettende auch."


Dieses wohl bekannteste Hölderlinzitat beschreibt die Zeit des Jahrhunderthochwassers in Bitterfeld und Umgebung. Die Hilfe, Unterstützung und Solidarität von Menschen aus dem gesamten Bundesgebiet war dem Ausmaß der Flutkatastrophe ebenbürtig.

Tausende freiwillige Helfer und Einsatzkräfte von Bundeswehr, freiwilligen Feuerwehren, THW und anderen Organisationen waren wochenlang im Einsatz. Zunächst bei der Abwehr der Wassermassen und anschließend bei der Beräumung und Schadensbeseitigung. Insbesondere den unmittelbar von der Flut betroffenen Einwohnern der Region war die Solidaritätswelle Kraft und Halt in einer existentiell bedrohlichen Lebenssituation. Die Bürger des Landkreises Bitterfeld werden diese Hilfe nie vergessen.

Weitaus größere Schäden wären zu erwarten gewesen, wenn der Wasserstand der Goitzsche zum Zeitpunkt der Flut bereits seine vorgesehene Endhöhe von 75m über NN erreicht gehabt hätte und somit die Goitzsche nicht mehr als Pufferreservoir für die Wassermassen der Mulde hätte dienen können. Ziel des Hochwasserschutzes der Region ist daher insbesondere auch ein Schutz des Goitzschesees vor eventuellen weiteren Hochwasserereignissen.

Ein Jahr nach dem Jahrhunderthochwasser vom Sommer 2002 wurde mit Unterstützung des Fördervereins Goitzsche e.V. zur Erinnerung an die bundesweite Solidarität während der Flutkatastrophe ein Zeichen der Erinnerung am Goitzscheufer bei Bitterfeld errichtet. An der Stelle des ehemaligen Sandsackwalles hat der Künstler Roland Fuhrmann aus Berlin eine 60 m lange Bank geschaffen, die auf der Rückenlehne Schilder mit eingravierten Namen der Fluthelfer trägt. Die Bank nimmt die Form des Sandsackwalles auf und die Namensschilder bilden im Sonnenlicht ein spiegelndes Band. Der Künstler hat der Bank den Namen "Sandbank" gegeben. Da man von der Bank aus einen herrlichen Blick auf die Goitzschelandschaft hat, wird die Bank von Einwohnern und Gästen der Region gut angenommen. Roland Fuhrmann ist hier eine hervorragende Symbiose von Funktionalität und künstlerischem Ausdruck gelungen