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Expo 2000

Entscheidend für die Entstehung der Kulturlandschaft Goitzsche war aber ein Ereignis, das auf den ersten Blick gar nichts mit der Bitterfelder Region zu tun hatte. Am 14. Juni 1990 erhielt die Bundesrepublik Deutschland den Zuschlag zur Ausrichtung der Weltausstellung Expo 2000. Damit fand zum ersten Mal eine Weltausstellung auf deutschem Boden statt. Unter dem Motto „Mensch – Natur – Technik: Eine neue Welt entsteht“ sollte die Weltausstellung zeigen, wie die globalen Fragen der Menschheit am Beginn des neuen Jahrtausends im Sinne der Entwicklung zu einer nachhaltigen Lebens- und Wirtschaftsweise gelöst werden können. Standort der Weltausstellung war die niedersächsische Landeshauptstadt Hannover. Einem neuartigen Konzept entsprechend fand die Expo 2000 zudem in 770 Weltweiten Projekten rund um den Erdball statt. Eine ganze Reihe von Projekten konnte in Deutschland besichtigt werden. Die besonders hohe Dichte von Expo-würdigen Vorhaben gerade in der Region Dessau-Wittenberg-Bitterfeld/Wolfen gab den Ausschlag dafür, daß sich dieses Gebiet als Ganzes zur Expo präsentieren konnte. Mit der Gründung der Expo 2000 Sachsen-Anhalt GmbH mit Sitz in Dessau im Jahre 1995 wurde für diese Region der Begriff „Korrespondenzregion der Expo 2000“ geprägt. Die Region qualifizierte sich nicht nur über die hohe Zahl an einzelnen EXPO-Projekten (etwa 30) als etwas ganz Außergewöhnliches, sondern verstand sich wie kaum eine zweite in Deutschland als ein Land der Reformen, von dem über Jahrhunderte hinweg kulturelle und technologische Impulse für die Entwicklung der Welt ausgegangen waren. Ein Meilenstein der europäischen Kulturgeschichte war die von Martin Luther initiierte Reformation, die von Wittenberg aus ihren Weg um die Welt nahm. Im Zeitalter der Aufklärung entstand unter der Regierung des Fürsten Franz von Anhalt-Dessau das Dessau-Wörlitzer Gartenreich. Ein weiteres Glanzlicht der kulturellen Entwicklung des Gebietes stellten die Aktivitäten des Bauhauses Dessau in den zwanziger Jahren dar. Ganz entscheidende Impulse für die Entwicklung der chemischen Großindustrie in Deutschland und Europa gingen von Bitterfeld und Wolfen aus. In Wolfen stand die Wiege des ersten praktikablen Farbfilms der Welt. Das Städtedreieck Bitterfeld-Dessau-Wittenberg begreift sich auch heute noch als eine Region des Wandels. Und dieser Wandel ist trotz der negativen Begleiterscheinungen des Umbruchs von 1989/90 durchaus positiv belegt. So ist es nur an den Chemiestandorten in Bitterfeld und Wolfen sowie im südlicher gelegenen Schkopau und Leuna gelungen, eine moderne und leistungsfähige Chemieindustrie an die Stelle der absterbenden alten zu setzen und so dem Prozess der De-Industrialisierung entgegenzuwirken. Insofern verstanden sich die Projekte, die sich im Jahr 2000 der Weltöffentlichkeit vorstellten, auch lediglich als Momentaufnahmen eines langfristigen Umgestaltungsprozesses, bei dem die Nachhaltigkeit oberstes Prinzip ist. Die ökonomischen, ökologischen, städtebaulichen und kulturellen Vorhaben wurden nicht nur wegen einer zeitlich begrenzten Ausstellung entwickelt, sondern so gestaltet, dass sie aus sich selbst heraus nutzbringend und auf Dauer angelegt sind.