Bergbau in der Goitzsche

Höhepunkt und Abschluß des Bitterfelder Braunkohlebergbaus war die Goitzsche. Das heutige Sanierungsgebiet Goitzsche setzt sich historisch aus 3 Tagebauen zusammen. Bereits 1908 begann der Abbau in der Grube Leopold. Dieser Tagebau wurde bis 1945 betrieben und ab diesem Zeitpunkt als Tagebau Holzweißig-Ost bis 1962 weitergeführt. Der Tagebau Holzweißig-West wurde von 1958 bis 1980 ausgekohlt. Von 1949 bis zur Stillegung 1991 wurde der Tagebau Goitsche betrieben. Den Namen lieferte ein vor den Toren der Stadt Bitterfeld gelegener 760ha großen Auenwald. Auf Messtischblättern zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde das Waldgebiet mit der Schreibweise „Goitsche“ bezeichnet. Diese Schreibweise fand bereits vor dem 1. Weltkrieg Eingang in bergbauliche Unterlagen. Heute hat sich für das Gesamtsanierungsgebiet die Schreibweise „Goitzsche“ durchgesetzt. Der Name stammt aus dem Sorbischen. 1220 findet man „Gotsaw“, 1323 „Gotsowe“, heute schließlich „Goitzsche“. Das gesamte bergbaulich beanspruchte Areal umfasst heute eine Fläche von 60km². Zwei Drittel davon entfallen auf Sachsen-Anhalt, ein Drittel auf Sachsen.

Um die Kohle eines derart riesigen Gebietes zu gewinnen, waren enorme Anstrengungen der Bergleute, ingenieurtechnische Leistungen ungewöhnlichen Ausmaßes, aber auch große Opfer der Einwohner des Gebietes vonnöten. Auch wenn man bedenkt, dass sich die Auskohlung des Gebietes über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten hinzog, sind die Summen der Produktionsdaten beeindruckend. Um das 10-12m mächtige Bitterfelder Klohleflöz zu gewinnen, mußten insgesamt 30-40m Deckgebirge abgetragen werden. Die gesamte Abraummenge betrug 1,275 Mrd. m³, die Rohbraunkohleförderung 498,7 Mio. t. Der Transport von Abraum und von Kohle erfolgte im Zugbetrieb. Der Tagebau Goitzsche war der größte normalspurige Zugbetriebstagebau in Mitteldeutschland. Für die Bergbauvorhaben mussten die Einwohner der Orte Paupitzsch, Niemegk, Döbern, Seelhausen und eines Ortsteils von Petersroda umgesiedelt werden. Das ganze Gebiet musste vor dem Abbau der Kohle großflächig entwässert werden. Die Mulde wurde über eine Strecke von 9,2km in ihrem Lauf geändert. Die heutigen Bundesstrassen B100, B183 und B184 mußten ebenso wie die Eisenbahnstrecke zwischen Delitzsch und Bitterfeld teilweise verlegt werden. Die Kohle gelangte über Gleise in die Industriekraftwerke Bitterfelds, nach Zschornewitz und Vockerode, in die Brikettfabriken des gesamten mitteldeutschen Raumes sowie in weite Teile des Landes.

Auch wenn der Landverbrauch solch riesigen Ausmaßes – eine ganze Region wurde in eine Quasi-Mondlandschaft verwandelt – oder die Umsiedlung ganzer Dörfer aus heutiger Sicht oft kritisch betrachtet wird, so sollte doch auch immer die Tatsache gesehen werden, dass der Braunkohlebergbau des Bitterfelder Reviers nicht nur unerläßlich für die Energieversorgung eines ganzen Landes gewesen ist, sondern auch für mehrere Generationen Arbeit und Wohlstand bedeutet hat.